"Die Maßnahmen im Strukturwandel müssen an ihrem Erfolg gemessen werden"

 

Interview mit Katrin Bartsch über die Entwicklungen im Strukturwandel und die Bedeutung einer „Marke Lausitz“.

 

Die WiL ist seit längerem am Thema „Marke Lausitz“ dran, warum ist eine Dachmarke für die Lausitz so wichtig?

Die länderübergreifende Vermarktung der Lausitz, auf brandenburgischer und sächsischer Seite, ist seit der der Gründung ein zentrales Anliegen der WiL, denn mit einer „Marke Lausitz“ kann eine positive Bekanntheit der Region geschaffen werden. Hierdurch können dann z.B. Ansiedlungen von Unternehmen generiert oder Fachkräfte für die Region gewonnen werden.  Gleichzeitig kann eine Marke das Selbstbild und den Stolz der Lausitzerinnen und Lausitzer auf das Erreichte stärken und die zukünftigen Veränderungsprozesse positiv beeinflussen.

 

Sehen Sie nicht die Gefahr, dass regionale Lausitzer Marken durch eine „Marke Lausitz“ an Bedeutung verlieren?

Die sich entwickelnde Marke sollte gerade die vielseitigen Identitäten sowie Sichtweisen auf die Region und die etablierten Regionsmarken wie die Oberlausitz oder den Spreewald einbeziehen. Die Regionsmarken und die Dachmarke „Lausitz“ schließen sich keineswegs aus, so ergab z.B. eine kürzlich durchgeführte Umfrage in den Landkreisen Bautzen und Görlitz, dass eine Mehrheit der Befragten sich sowohl als Oberlausitzer als auch als Lausitzer identifizieren. Vielmehr sollten auch mit einer „Marke Lausitz“ regionale Marketingaktivitäten respektiert, unterstützt und vernetzt werden.

 

Was sollen Investoren, Unternehmen und Gäste bestenfalls mit der „Marke Lausitz“ verbinden?

Die Lausitz sollte als Wirtschaftsregion mit attraktiven, zukunftsgerichteten Arbeitsplätzen, Urlaubsziel und lebenswerte Region, national und international vermarktet werden. Dafür müssen Sehnsüchte angesprochen werden. Das kürzlich gestartete Portal "Lausitz-invest.de" der Länder Sachsen und Brandenburg, auf dem die konkreten Standortvorteile der Lausitz dargestellt werden, kann zukünftig ein wichtiger Baustein für die Vermarktung sein. Darüber hinaus müssen jedoch weitere Akteure und Ressourcen gebündelt werden.

 

Mit der Wirtschaftsregion Lausitz (WRL) in Brandenburg und der Sächsischen Agentur für Strukturentwicklung (SAS) in Sachsen gehen die Länder bei der Strukturierung und Koordinierung des Strukturwandels getrennte Wege.  Wie kann es dennoch gelingen, alle wichtigen Akteure in den Markenprozess einzubinden?

Die WRL und die SAS müssen selbstverständlich in den Prozess einbezogen werden. Für eine erfolgreiche Markenbildung ist es aber darüber hinaus wichtig, möglichst viele weitere Akteure einzubinden. Umso mehr Unternehmen, Institutionen, Verwaltungen und nicht zuletzt auch Bewohner*innen, die Idee der Marke nach innen und außen mittragen, desto stärker ist die Marke. Die Herausforderung besteht darin, die relevanten Akteure bei dem Thema einzubinden, ohne allerdings die individuellen regionalen Interessen zu sehr in den Vordergrund zu rücken.

 

Was muss jetzt auf dem Weg zur „Marke Lausitz“ konkret passieren?

Wir drängen schon seit geraumer Zeit darauf, dass zunächst eine umfassende IST Analyse  für die „Marke Lausitz“ erstellt werden muss. In dieser gilt es den aktuellen Markenkern, deren Bekanntheit in den zu definierenden Zielgebieten sowie die Potentiale der Regionsmarke herauszuarbeiten: Wofür steht die Lausitz, wo liegen die Stärken und Alleinstellungsmerkmale? Anschließend müssen Ziele festgelegt werden: Wofür soll die Lausitz zukünftig stehen? Auf dieser Basis ist die Regionsmarkenentwicklung kontinuierlich, mit vielen Unterstützern, vorzunehmen.

 

Schlussendlich gilt es regelmäßig zu überprüfen und ggf. zu korrigieren wo die „Marke Lausitz“ im Inhalt und in der Bekanntheit der vermittelten Sehnsüchte steht. Bis zu den ersten messbaren Ergebnissen der „Marke Lausitz“ werden so bis zu 10 Jahre vergehen. Wichtig ist es jetzt vor allen Dingen also, dass der Markenprozess gestartet wird.  

 

Welche Rolle wird die Wirtschaftsinitiative Lausitz dabei einnehmen?

Wir wollen für das Thema als Multiplikator, Vermittler sowie Netzwerker weiter sensibilisieren und als Stimme der Wirtschaft den Prozess begleiten. Darüber hinaus sehen wir unsere Aufgabe auch darin darauf zu drängen, dass die Entwicklungen und die Dynamiken der Strukturentwicklung in der Lausitz, nicht nur im Markenprozess, stets mit Kennzahlen gemessen werden, um positive Entwicklungen sichtbar zu machen und Fehlentwicklungen frühzeitig entgegenzusteuern. Hierfür ist es besonders wichtig, dass der durch Bund und Länder beschlossene Zeitplan für den Strukturwandel bis 2038 nicht weiter verkürzt wird. Für einen erfolgreichen Strukturwandel benötigt die Lausitz Zeit.

 

 

 

Katrin Bartsch,

Geschäftsführerin der Veolia Environnement Lausitz und der Stadtwerke Weißwasser, engagiert sich seit fünf Jahren im Vorstand der Wirtschaftsinitiative Lausitz für eine länderübergreifende Dachmarke Lausitz und ist zudem Vorsitzende des Tourismusverein Görlitz e.V..

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