Ideen und Perspektiven für die Lausitz

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Die letzten Kohlekraftwerke in der Lausitz werden bis spätestens 2038 vom Netz gehen. Doch ist u.a. aufgrund der Sicherheitsbereitschaft für das Kraftwerk Jänschwalde die Zahl der Arbeitsplätze in der Branche bereits heute kleiner geworden. Die Lausitz befindet sich erst am Anfang eines langjährigen Strukturwandelprozesses und die Vorbereitungen und die Umsetzung von Projekten zur Strukturentwicklung laufen bereits.

 

Carbonfaserforschung und -entwicklung in Boxberg

Am Standort des sächsischen LEAG-Kraftwerks in Boxberg sollen künftig Kohlenstofffasern für die leichten Verbundwerkstoffe der Zukunft hergestellt werden. Die Idee ist Teil einer Strategie der LEAG für den Standort des Kraftwerkes Boxberg. An dem zukünftigen Forschungsstandort sollen „grüne“ Carbonfasern erforscht und entwickelt werden. Ein langfristiges Ziel ist es, mit regionalen Unternehmen carbonfaserverstärkte Leichtbaustrukturen und -systeme zu entwickeln, die beim Automobil-, Schiff-, Schienenfahrzeug- und Anlagenbau oder in der Luft- und Raumfahrt eingesetzt werden können.

 

Europas modernstes Bahnwerk in Cottbus

Bis zum Jahr 2026 soll in Cottbus das modernste und umweltfreundlichste Bahninstandhaltungswerk in Europa entstehen. Dabei sollen bis zu 1.200 Industriearbeitsplätze vor allem bei der Instandhaltung von ICE und der Umrüstung von Dieselloks auf Hybridtechnik entstehen. Am Standort des heutigen Bahnwerks entstehen ab 2023 eine neue ICE-Halle, eine Halle für die Umrüstung von Dieselfahrzeugen auf Hybridtechnik mit Elektroantrieb sowie ein.

Gleichzeitig erfolgt ein Ausbau der Lausitzer Schieneninfrastruktur. Die Bahnstrecken von Cottbus nach Berlin, Leipzig, Dresden und Görlitz werden für höhere Geschwindigkeiten ausgebaut und elektrifiziert.

 

Leistungszentrum für Fachkräftequalifizierung in Schwarzheide

In Schwarzheide entsteht das Leistungszentrum Westlausitz. In dem Fortbildungszentrum erfolgen künftig Aus- und Weiterbildungen für Fachkräfte industrieller Berufe, besonders im Hinblick auf die Herausforderungen des demographischen Wandels, der Energiewende und der Digitalisierung. Das Leistungszentrum wird die Wettbewerbsposition der Region im regionalen Wettbewerb um Arbeitskräfte, vom Auszubildenden über den Facharbeiter bis zum Akademiker verbessern und ermöglicht eine bessere Vernetzung der vorhandenen Lehr- und Lernangebote.

 

Standort der BAFA in Weißwasser

Bereits im Frühjahr 2020 wurde in Weißwasser ein neuer Standort des BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) eröffnet. In der Außenstelle, in der heute bereits über 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten, werden insbesondere die Förderprogramme „Heizen mit Erneuerbaren Energien“ sowie zur Heizungsoptimierung umgesetzt. Auch die Anträge für das ‚Anpassungsgeld Braunkohle‘ werden hier bearbeitet, mit dem Beschäftigten der Kohleindustrie der Übergang in den Ruhestand erleichtert werden soll.

 

DLR-Forschungsniederlassung in Zittau

In Zittau und Cottbus entstehen Forschungsniederlassungen der DLR (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt). Mit dem neuen Institut für CO2-arme Industrieprozesse verstärkt das DLR seine Forschungen im Bereich Energie. Ziel der Forschungen ist, durch Dekarbonisierung energieintensiver Industriebereiche und die nachhaltige Stromerzeugung und –speicherung, die CO2- und Schadstoffemissionen von Industrie und Kraftwerken deutlich zu reduzieren.

 

Universitäts-Medizin in Cottbus

Im September 2020 gab die Brandenburger Landesregierung den Startschuss für die Planungen zu einem staatlichen Ausbildungsinstitut für Ärzte in Cottbus. Eine Expertenkommission erarbeitet derzeit die konkreten Möglichkeiten, wie die zukünftige „Modellregion Gesundheit Lausitz“ ausgestaltet werden kann. So könnten z.B. die BTU und das Carl-Thiem-Klinikum zu einer Medizinischen Fakultät mit Uni-Klinik aufgewertet werden.

 

Schnelle Umsetzung und Unterstützung für Unternehmen

Für die Menschen und die Unternehmen sowie für einen planbaren und nachhaltigen Strukturwandel in der Lausitz ist es wichtig, dass der im Sommer beschlossene Zeitplan für den Kohleausstieg bis zum Jahr 2038 nicht weiter eingekürzt wird. Auch ist es von großer Bedeutung, dass die geplanten Strukturwandelprojekte möglichst schnell umgesetzt werden.

 

An den Infrastrukturvorhaben der Region zeigt sich, dass hier häufig noch Handlungsbedarf besteht. Für den Ausbau und den Neubau großer Schienenvorhaben fehlen der Bahn die ausreichenden Planungskapazitäten. Damit die schnelleren Verbindungen aber zeitnah eine positive Auswirkung auf die Beschäftigung und die Lebensqualität in der Region haben können, müssen die Infrastrukturprojekte schnell geplant und umgesetzt werden. Ein Weg zur Beschleunigung ist die Beauftragung externe Planungsbüros mit der Planung. Das Vorgehen hat sich bereits in den 1990er Jahren bewährt, als die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH gegründet wurde, um Projekte schneller zu realisieren. Eine ähnliche Gesellschaft für die Planung von Bahnprojekten würde die entsprechenden Behörden und die Deutsche Bahn entsprechend entlasten. Im § 17a des Allgemeines Eisenbahngesetz (AEG) hat der Gesetzgeber vor wenigen Jahren die rechtlichen Grundlagen im Bundeseisenbahnrecht geschaffen.

 

An den bisher auf den Weg gebrachten Strukturwandelprojekten zeigt sich, dass bisher vor allem öffentliche Institutionen in die Infrastruktur und die Wissenschaft investieren. Für eine gelingenden Strukturwandel bedarf es jedoch weitere Unterstützungsmöglichkeiten für die regionale Wirtschaft um z.B. Investitionsanreize für Unternehmen zu schaffen. Ein erster Baustein ist dabei das kürzlich gestartete Portal "Lausitz-invest.de" der Länder Sachsen und Brandenburg. Auf diesem können sich Investoren u.a. über konkrete Standortvorteile der Lausitz informieren. Darüber hinaus müssen jedoch weitere Ressourcen und Unterstützungsmöglichkeiten für die Entwicklung der Lausitzer Unternehmen, z.B. durch innovative Unternehmensberatung, geschaffen werden.

 

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