Nachhaltige Entwicklung ist eine Generationenaufgabe

 

„Drei Jahrzehnte nach den Strukturbrüchen der Wiedervereinigung stehen wir in den Revieren erneut vor großen Umbrüchen“, Dr. Helmar Rendez. 

 

 

Aufgrund der schweren und andauernden Folgen der Raubbauwirtschaft in der früheren DDR sehen sich die Lausitz Energie Bergbau AG sowie die Lausitz Energie Kraftwerke AG (LEAG) gemeinsam mit ihren Töchtern und Beteiligungen seit 1990 in einer besonderen Verantwortung: Die Generationenaufgabe Bergbau und Bergbaufolgelandschaften konnte über diesen Zeitraum erfolgreich gelingen, weil die Braunkohleindustrie stets ein verlässlicher Partner der Region war, schreibt der Vorsitzende des Vorstands der Lausitz Bergbau AG und Lausitz Kraftwerke AG, Dr. Helmar Rendez, in einem Beitrag für die Schriftenreihe des Kuratoriums des Forums Zukunftsenergien e.V. Der industrielle Kern der Lausitz konnte, so Rendez, nach der Wiedervereinigung konsolidiert und kontinuierlich modernisiert werden. Es entstanden moderne Tagebaue und Kraftwerke, eine beispielhafte Rekultivierung und Renaturierung sowie eine hochqualifizierte Belegschaft.

 

„Drei Jahrzehnte nach den Strukturbrüchen der Wiedervereinigung stehen wir in den Revieren erneut vor großen Umbrüchen,“ erklärte Rendez, der auch Vorstandsvorsitzender des DEBRIV ist. Das Kohleverstromungsbeendigungsgesetz definiere verbindlich das Betriebsende der Stein- und Braunkohlekraftwerke in Deutschland bis Ende 2038. Erneut greifen politische Entscheidungen damit tief in das ökonomische und soziale Gefüge der Regionen ein. Die Begründung liefere diesmal ausschließlich der Klimaschutz.

 

Rendez weist darauf hin, dass derzeit noch die technischen und ökonomischen Instrumente fehlen, um bis 2050 deutlich mehr als 80 Prozent der Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Dennoch habe sich die EU darauf festgelegt, bis 2030 mindestens 55 Prozent der Treibhausgasemissionen im Vergleich zu 1990 zu reduzieren und bis 2050 klimaneutral zu werden.


Neben dem Gesetzeswerk zum nationalen Kohleausstieg werde der europäische Green Deal die politischen Rahmenbedingungen für die Energiewirtschaft im laufenden Jahrzehnt wesentlich bestimmen. Unklar sei noch, wie stabil diese politischen Leitplanken sind und ob es ausreichend Rechts- und Planungssicherheit für die Braunkohleindustrie und die Regionen geben wird. Die vom Kohleausstieg besonders betroffenen Regionen, und davon insbesondere die ohne breite industrielle Diversifizierung, benötigen nach Ansicht von Rendez „den vollen Zeitraum bis 2038“, um sich ökonomisch neu aufzustellen und neue Perspektiven zu entwickeln. Dies gelte für Vorhaben im Verkehrsbereich genauso wie für den Aufbau neuer akademisch-ökonomischer Infrastrukturen.

 

Rendez erwartet von der neuen Bundesregierung die Achtung von Rechtsfrieden und Vertragstreue. Die Braunkohleunternehmen haben in einem öffentlich-rechtlichen Vertrag legislaturperiodenübergreifend den politischen Vorgaben des Kohleausstiegs zugestimmt und auf Klagerechte und Rechtswege verzichtet. Die Unternehmen erheben Anspruch auf einen rechtssicheren und legislaturperiodenübergreifenden Abschaltpfad. Der Kohleausstieg, so Rendez, erfordert nicht nur eine Anpassung der Laufzeiten für die Kraftwerke, sondern vor allem neue und komplexe Revierplanungen.

 

Neben Anpassungsaufgaben in den Bereichen Bergbau und Kraftwerke treten bei der LEAG erweiterte oder auch gänzlich neue Geschäftsfelder. Ein erster Schritt in diese Richtung ist die Errichtung eines Batteriespeichers mit einer nutzbaren Kapazität von 53 Megawatt (MW) am Standort Schwarze Pumpe. Dieses in Europa bisher einzigartige Projekt soll die Stromerzeugung weiter flexibilisieren und helfen, das Stromnetz gegen Schwankungen abzusichern. Die LEAG werde sich der Realisierung weiterer innovativer Speicher-Kraftwerke zuwenden. Mit dem digitalen Zusammenschluss der eigenen Stromerzeugungsanlagen baut das Unternehmen sein Portfolio an virtuellen Kraftwerken aus. Mit Power Purchase Agreements trägt die LEAG dazu bei, dass ältere Wind- und große PV-Anlagen wirtschaftlich abgesichert weiterbetrieben werden können. Außerdem soll am Standort Jänschwalde die energetische Verwertung nicht recyclingfähiger Abfälle im kommunalen und regionalen Umfeld durch eine Energie- und Verwertungsanlage gesichert werden.

 

Bei dem Beitrag handelt es sich um einen Artikel aus dem DEBRIV Newsletter "Informationen und Meinungen 04/2021" 

 

 

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